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Zahlen mit Kreditkarte online wird sicherer, aber auch komplizierter

Die Frage, ob das Zahlen mit Kreditkarte online sicher ist, gibt es praktisch, seit es das Internet gibt. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat nun vor einer Weile entschieden, dass es zumindest noch sicherer sein könnte. Auf der einen Seite ist das natürlich gut, die angestrebten Veränderungen haben aber auch ihre negativen Seiten.

Zahlen mit Kreditkarte online: Fakten

Zunächst einmal: Wieso verlangen eigentlich Unternehmen wie Hotels oder Autovermietungen häufig das Zahlen mit Kreditkarte online? Der Hauptgrund liegt darin, dass es den Unternehmen durch die Kartendaten der Verbraucher möglich ist, sicherzustellen, dass hinter der Zahlung wirklich eine Person steckt, von der man im Zweifelsfall Geld eintreiben kann. So wird der Vorgang auch für die Händler sicherer.

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Wenn Kunden allerdings die Wahl haben, zahlen sie bisher im Internet doch lieber auf Rechnung oder per Sofortüberweisung. Das liegt vor allem daran, dass viele immer noch daran zweifeln, dass das Zahlen mit Kreditkarte online sicher ist. So gibt es eine weit verbreitete Angst davor, dass die persönlichen Kreditkartendaten in falsche Hände geraten. Trotzdem lässt sich insgesamt festhalten, dass die Kreditkartenzahlungen im Internet eher zunehmen. Sie sind nicht so unbeliebt, wie viele vielleicht meinen. 2015 lagen Kreditkartenzahlungen nur leicht hinter Sofortüberweisungen und Zahlungen auf Rechnung. Lediglich Lastschriften sind viel beliebter, dabei muss man hier aber auch einen hohen Bequemlichkeits-Faktor einberechnen.

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Die Angst vor der Nutzung der Kreditkarte im Internet ist zufolge einiger Finanzexperten übrigens größtenteils unbegründet. Die Zahlvorgänge seien sicherer geworden und gewöhnlich trage die Kartenindustrie praktisch alle Schäden. Der Kunde trägt höchstens 150 Euro der Kosten, wenn ein Betrugsfall eintritt.

Die Pläne der Europäischen Bankenaufsicht

Die EBA hat nun in diesem Jahr für alle Zahlvorgänge mit Kreditkarte im Internet und auch für das kontaktlose Bezahlen neue Sicherheitsrichtlinien eingeführt. Diese Richtlinien sind im englischen Sprachgebrauch als SCF, „Strong Customer Authentification“ (starke Kundenauthentifizierung) bekannt. Es geht auf Deutsch also darum, dass Methoden gefunden werden, um unumstößlich sicherzustellen, dass der Kunde auch der ist, der er zu sein behauptet. Deshalb sollen sich ab jetzt alle Kunden bei Zahlungen im Internet oder bei anderen kontaktlosen Zahlvorgängen mit mindestens zwei Merkmalen ausweisen müssen.

Ein Vorschlag der EBA war zum Beispiel, dass zum Zahlen mit Kreditkarte online immer eine PIN eingegeben werden muss. Hinzu muss ein „Besitzmerkmal“ oder ein „inhärentes“ (persönliches) Merkmal kommen. Das Besitzmerkmal wäre mit dem Vorzeigen der Karte im Geschäft gegeben, ein inhärentes Merkmal wäre zum Beispiel ein biometrischer Fingerabdruck. Von diesen drei Komponenten müssen demnach mindestens zwei erfüllt sein, damit die Zahlung online stattfinden kann.

Die Angst der Onlinehändler

Nun mag man sich fragen, was das Problem sein soll? Mehr Sicherheit ist doch erstmal eine positive Sache. Dabei unterschätzt man aber, wie empfindlich das Kaufverhalten von Menschen online eigentlich ist. Einer der Vorwürfe vonseiten der Onlinehändler an die EBA ist deswegen auch, dass diese Weiterentwicklung und Innovation gefährde, auf einem Gebiet, von dem sie wenig Kenntnisse haben. Ein paar Klicks und Abfragen zu viel und schon bricht ein Konsument den Onlinekauf ab.

Müsste man bei Amazon immer eine zusätzliche PIN und einen Fingerabdruck abgeben, wenn man ein Buch bestellen will, würden die Umsätze mit großer Sicherheit darunter leiden. Auch die Anbieter von Kreditkarten selbst sorgen sich natürlich darum, dass der seit einigen Jahren stetige Zuwachs an Kreditkartennutzern durch diese Verkomplizierung der Bezahlverfahren einbricht.

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Auch Anbieter wie Airplus, ein Anbieter im Bereich Business-Reisen, sind beunruhigt. Die nur in Europa geltenden strengeren Richtlinien könnten vor allem dann Probleme bereiten, wenn es um Reisen in andere Kontinente geht. Beispielsweise kennen amerikanische Autovermietungen keine anderen Sicherheitsabfragen als die gewöhnliche Angabe der Kreditkartendaten.

So können die Kassensysteme amerikanischer Anbieter die Angabe zum Beispiel einer PIN überhaupt nicht verarbeiten. Andersherum müsste auch ein Geschäftsreisender aus Asien in einem europäischen Hotel Sicherheitsdaten abgeben, die er überhaupt nicht hat. Patrick Diemer, Chef von Airplus, sagte der Frankfurter Allgemeinen dazu, dass somit Millionen von Transaktionen unmöglich werden.
Genauso stellt sich die Frage, wie Kunden außerhalb von Europa Bestellungen, zum Beispiel im Deutschen Onlinehandel, aufgeben wollen, wenn sie eben nicht die richtigen Sicherheitsnachweise liefern können.

Fazit

Ab sofort ist es für jedes Online-Unternehmen in Europa Pflicht, neue Authentifizierungssysteme nach SCA-Standards einzuführen und diese ausnahmslos durchzusetzen. Dies könnte schlimme Folgen für viele Konzerne, aber vor allem kleinere Händler mit sich führen. Hinter den Bezahlvorgängen mit Kreditkarten stehen schon heute komplexe Vorgänge und Sicherheitssysteme und es dürfte fast unmöglich sein, hier in dem angegebenen Zeitraum die nötigen Anpassungen im europäischen Raum vorzunehmen, weswegen sich Anbieter wie Airplus und diverse Onlineanbieter gegen das Vorgehen der EBA wehren wollen. Damit Unternehmen etwas mehr Zeit für die Umstellung haben, hat die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) einen Aufschub um unbestimmte Zeit veranlasst. Trotzdem haben bereits viele Banken die „Starke Kundenauthentifizierung” eingeführt, bisher auch ohne große Probleme vonseiten der Nutzer.

Vielen Dank an AKuptsova und typographyimages für die Bilder (AKuptsova/www.pixabay.de / typographyimages/www.pixabay.de)

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